Pflegeindikatoren - Stürze

Stürze

Definition

Ein Sturz ist ein Ereignis, in dessen Folge eine Person unbeabsichtigt und unabhängig von der Ursache auf dem Boden oder auf einer tieferen Ebene zu liegen kommt (Kellogg International Work Group on the Prevention of Falls by the Elderly, 1987).

Relevanz

Stürze stellen im Spitalbereich aufgrund ihrer Häufigkeit und ihren physischen, psychologischen und sozialen Konsequenzen ein bedeutendes klinisches und ökonomisches Problem dar. Stürze sind als relevante und komplexe klinische Herausforderung, beeinflusst durch vielfältige Ursachen und Faktoren, zu verstehen (Kwaliteitsinstituut voor de Gezondheidszorg CBO, 2004).

Die meisten Stürze treten bei älteren Personen auf, wobei die Häufigkeit mit steigendem Alter zunimmt (Halfon, Eggli, Van Melle, & Vagnair, 2001). Die Konsequenzen eines Sturzes betreffen das physische, psychische sowie soziale Wohlbefinden und können die Lebensqualität von Betroffenen beeinträchtigen. Stürze können mitunter zu schweren Verletzungen (z.B. Hüftfrakturen) führen und einen Anstieg der Pflegeabhängigkeit nach sich ziehen (Frank & Schwendimann, 2008). Stürze von älteren Personen über 65 Jahren verursachen in der Schweiz jährlich materielle Kosten von 1.36 Milliarden Franken (Niemann, Lieb, & Sommer, 2015).

Die Sturzraten in Spitälern hängen stark von der Station ab, in der die Erhebung durchgeführt wurde. Allgemein werden auf chirurgischen Stationen weniger Stürze als auf den übrigen Stationen gemeldet. Im Allgemeinen ereignen sich Stürze in Spitälern oft durch Ausrutschen oder Stolpern im Patientenzimmer (Halfon et al., 2001).

Mit geeigneten Präventionsmassnahmen können Stürze und sturzbedinge Verletzungen verringert werden. Neuere Reviews geben Hinweise darauf, dass im Spitalsetting ein Mehrfachinterventionsansatz in der Sturzprävention wirksam ist (Cameron et al., 2010; Miake-Lye, Hempel, Ganz, & Shekelle, 2013).

Voraussetzung dafür ist, dass Patientinnen, Patienten, Angehörige sowie Gesundheitsfachpersonen Stürze als bedeutendes Problem erkennen. Als wichtigster Prädikator für weitere Sturzereignisse gilt ein Sturz in der Anamnese (Frank & Schwendimann, 2008; Kwaliteitsinstituut voor de Gezondheidszorg CBO, 2004; Tiedemann et al., 2013; Victorian Government Department of Human Services, 2004).

Prävalenzmessung

Die nationale Prävalenzmessung gibt Einblick in die Häufigkeit und Prävention von Sturzereignissen in Spitälern. In der nationalen Prävalenzmessung in der Schweiz wird an einem Stichtag die Sturzhäufigkeit von Patientinnen und Patienten im Spital rückblickend über einen Zeitraum von 30 Tagen (Periodenprävalenz) erfasst. Neben Informationen zu Sturzfolgen werden auch Risikofaktoren (z.B. Sturz in der Anamnese, verhaltensbeeinflussende Medikamente etc.) erhoben. Zudem wird erfasst, welche Interventionen zur Prävention angewendet werden.

Ferner wird eine Anzahl von Strukturindikatoren auf Spital- (n=2) und auf Stationsebene (n=5) erhoben.

Die Ergebnisse der Messung ermöglichen dem Spital eine Standortbestimmung zur Qualität bzw. können aufzeigen, in welcher Hinsicht ein Spital Verbesserungen erzielen kann. Die jährlichen Messungen ermöglichen es, die Wirkung eingeleiteter Massnahmen zu evaluieren.

Ergebnisse der Nationalen Prävalenzmessung Sturz im Spital der Jahre 2011 bis 2017 in den Schweizer Akutspitälern

Die Prävalenzraten der Stürze, welche sich im Spital ereignet haben, liegen für die Jahre 2011 bis 2017 zwischen 3.0 % und 4.3 %. (s. Abbildung 1).

Prävalenzraten spitalinterne Stürze Schweizer Akutspitäler
Abbildung 1: Prävalenzraten spitalinterne Stürze Schweizer Akutspitäler

Im Vergleich mit anderen LPZ-Messungen ist der aktuelle Wert (3.8 %) tiefer als in Österreich und der Türkei, jedoch höher als in den Niederlanden. Im Vergleich zur internationalen Literatur sind die Raten aus der Schweiz eher hoch einzuschätzen, da in der Mehrheit der beigezogenen Studien tiefere Werte als in der Schweiz ausgewiesen werden (Bernet, Thomann et al., 2018).

Weitere Informationen, wie Angaben zu den Struktur- und Prozessindikatoren sowie zu den risikoadjustierten spitalvergleichenden Auswertungen, finden Sie in den nationalen Vergleichsberichten der einzelnen Messjahre unter https://www.anq.ch/de/fachbereiche/akutsomatik/messergebnisse-akutsomatik.

Bibliographie

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Nationale Prävalenzmessung Sturz, Dekubitus und Dekubitus Kinder